Bruno Schlatter, 38
wohnhaft in Rombach
Schriftsteller, multimedialer Künstler, Sekundarlehrer
www.nosenoise.ch
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Start in eine neue Zukunft

Zotingen verband Nicolas mit kindlichen Erinnerungen. Einige wenige Male war er dort mit seinen Eltern zu Besuch gewesen bei entfernten Verwandten. An die herrlichsten Glacés, saftigsten Wurstweggen und einmaligen «Zotingerli» dachte er gerne zurück; süsseste Aprikosen, Marmelade in Schokolade, Mandelgebäck – nichts weiter als die kleine Ausgabe der Zotinger Torte. An die trüben Nachmittage mit den für ihn langweiligen alten Onkeln und Tanten verschwendete er keine Zeit mehr. Lieber sinnierte er über dem, was er damals an verregneten Sonntagen vorzog zu tun. Er entschlich dem ausgiebigem Kaffeerunden-Tratsch über Leute, die er sowieso nicht kannte. Das am Heitersberg gelegene alte Patrizierhaus bot unzählige versteckte Winkel, auf dem Estrich gab es immer etwas zu entdecken.
Nicolas wollte der Grossstadt den Rücken zukehren. Er hatte genug gesehen.
Dass ausgerechnet jetzt der letzte verbleibende Onkel Willy beschliessen musste, ins Pflegeheim «Tannenberg» zu ziehen, erwies sich für Nicolas als Fügung des Schicksals. Als traditionsbewusster Familienmensch hatte Willy natürlich zuerst einen Nachmieter innerhalb des weiteren Familienkreises gesucht.
Maria zögerte nicht lange, als ihr Nicolas das Verwandtenrundschreiben mit Hausbeschreibung und Fotobeilage zeigte. Dass er sofort in hohen Tönen vom Haus schwärmte, überzeugte sie erst recht. Also meldeten sie sich telefonisch bei Willy an und machten sich am folgenden Samstag auf.
Sie hatten den ersten richtigen Frühlingstag erwischt, als sie mit 120 über die Mittellandautobahn brausten. Die Sonne lachte sie an. «Wäre das Wetter als Omen zu betrachten», strahlte Maria, «so starten wir heute eine neue Zukunft.» Am Jurasüdfuss verdampften die letzten spätwinterlichen Nebelschwaden. Im Zentrum der Schweiz kehrten sie dem Jura den Rücken zu und erreichten alsbald über die Zubringerschnellstrasse Zotingen.
In der Ferne leuchteten die Alpengipfel.
Nicolas vermochte sich an rein gar nichts mehr zu erinnern, als sie auf die Altstadt zufuhren, neue Einkaufspaläste säumten die Strasse, der Bauteufel schien auch hier gewütet zu haben. Erst die beiden Drachenstatuen, die
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