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Viviane Hösli, 18
wohnhaft in Oftringen
Buchhändlerin |
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Unsichtbares Leben
Sie hatte es sich anders vorgestellt. Zuerst war sie euphorisch gewesen hier in Zotingen sollte alles anders werden.
Aber bald begann für Nicolas wieder der Arbeitsalltag. Sie hatte beschlossen, nicht gleich wieder zu arbeiten. Sie konnte es sich leisten, vorsichtig zu sein auf der Suche nach einem neuen Job. Sie blieb also Zuhause, während Nicolas arbeitete.
Die ersten Tage waren neu für sie, sie stöberte, entdeckte und fühlte sich wie ein Kind auf Schatzsuche.
Aber bald wurde sie unruhig. Etwas an dieser Stille flösste ihr Angst ein. Sie versuchte ihr zu entfliehen und telefonierte. Es gelang nicht, sie spürte, wie ihre Freundinnen in der Grossstadt sich bereits entfernt hatten. Das Leben dort raste weiter, und sie blieb hier stehen.
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Sie hoffte auf Änderung, als sie in die Altstadt ging, aber auch hier war diese Stille. Der Herbstnebel schien das letzte Leben zu verschlucken.
Aber Zotingen war nicht so leblos, wie sie es sah sie sah nur nicht, wo sich das Leben verbarg. Was sie nicht sah, waren die Kinder, die schwatzend auf ihren Velos vorbeifuhren, das Pärchen auf dem lauschigen Platz hinter der Kirche, das Seniorenturnen in der Rosenhalle. Sie meinte, hier existiere das Leben nicht, dabei war sie nur ausserstande, es zu sehen.
Abend für Abend wunderte sich Nicolas mehr, wie seine Frau genervter und rastloser wurde, aber er dachte nicht weiter darüber nach. «Es wird vorbeigehen.» Tage später rief Willy an und beklagte sich, dass sie ihn niemals besuchten. Maria gab sich einen Ruck und sagte ihm für den Nachmittag zu.
Willy wirkte erst ein wenig verbittert, und sie wurde unsicher, ob es die richtige Entscheidung gewesen war, ihn zu besuchen. Sie schwiegen beide lange. Plötzlich stellte Willy ganz ruhig und bedächtig die Frage, als hätte er sie lange vorbereitet: «Wie gefällt es dir in Zotingen?» Maria begann zu erzählen, es sprudelte nur so aus ihr heraus. Sie berichtete von ihren Erfahrungen mit dem ruhigen, leblosen Zotingen. Sie erzählte von ihrer Beziehung zu Nicolas, welche diesen Namen oft nur noch aus Gewohnheit verdiente. Und sie erklärte ihr Leben, welches sie in diesem Moment nicht als ihr eigenes akzeptierten konnte. Willy hörte zu, sein |
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