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Timo Koch, 23
wohnhaft in Bern Drehbuchautor, Kino-Operateur
www.timo.ch |
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Marias Traum
Der Traum war immer derselbe. Und er kam in immer kürzeren Abständen. Nebel. Ein Seufzen, Stöhnen, wie aus einer weiblichen Kehle. Aus einer Kehle, die fast keine Luft mehr bekommt.
In ihren Träumen rannte Maria stundenlang, um vor den unheimlichen Geräuschen zu fliehen. Sie zitterte, von oben bis unten durchnässt. Die neblige Kälte machte ihr ebenso zu schaffen wie die erstickten Laute der unsichtbaren Frau, die sie auf ihren unergründlichen Wegen begleiteten.
Am Ende des Alpdruckes, kurz bevor sie aufwachte, stand Maria jeweils auf einer Brücke, wahrscheinlich einer Eisenbahnbrücke, denn hinter ihren nackten Füssen befand sich schweres Metall wie von Schienen, und sie hörte auch das weit entfernte Ratter-Ratter einer alten Dampflokomotive. |
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Die Brücke indes überquerte einen grossen Strom. Und allmählich lichtete sich der Nebel. Maria stand über dem Wasser, in und um sich Gestöhn und Geratter, unter sich das nasse Gurgeln und vor sich, hinter der Dunstwand, eine Burg. An diesem Punkt wurde Maria jedes Mal schweissgebadet aus dem Schlaf gerissen.
Auch Nicolas, der in den vergangenen Wochen eine entscheidende Veränderung seiner Ehefrau beobachtet, sich jedoch nie dazu aufgerafft hatte, sie darauf anzusprechen, erwachte. «Was hast du denn, Liebling?»
Maria, der sehr wohl bewusst war, dass sie ihrem Mann alles hätte erzählen können hätte sie es doch nur bereits getan, als diese mulmigen Gefühle, das Nicht-dazu-Gehören und Verlorensein in der kleinen Stadt sie das erste Mal heimgesucht hatten. Doch jetzt war es zu spät. Zu weit fortgeschritten waren Marias Ängste, Zweifel und die Träume, zu sehr schon war sie verstrickt in diese Parallelwelt zur Realität, dass sie Nicolas lediglich antwortete: «Nichts, nur ein Alptraum.»
Nicolas hingegen liess dieses Mal nicht locker: «Maria, in dieser Woche bist du schon dreimal mitten in der Nacht aufgewacht, heute nicht mit dazu gerechnet.»
Nur kurz erwog Maria eine ehrliche Antwort. «Ich weiss nicht. Ich glaube, es liegt am Wetter, das drückt auf die Stimmung. Geht aber schon, glaub mir.»
Nicolas versuchte, ihren Blick zu erhaschen, doch Maria wandte sich zur Seite, ohne ihn anzuschauen. |
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