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Ruedi Matter, 52
wohnhaft in Oftringen
Schriftsetzer, Theatermensch, Lehrer
www.richtplatz.ch |
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Die Burg
Maria schnellt jäh in ihrem Bette auf. Sie wirft sich in Morgenmantel und Schlüpfschuhe und eilt ins Bibliothekszimmer, eigentlich ein Ort, der für Nicolas und sie bisher nur zu Repräsentationszwecken gedient hat.
Bibliothekszimmer! Die Langsamkeit des Lesens, die Ruhe dabei: Normalerweise doch eher etwas für Onkel Willys Generation. In der Phase der Verliebtheit (vor langer Zeit) besuchten Nicolas und sie Kinos, manchmal sogar mehrmals pro Tag. Heute ziehen sie gelegentlich eigentlich ist es auch schon wieder über drei Monate her zusammen vor dem Einschlafen ein Video rein. Sonst ist ein wortloses Herumzappen ihr Einschlafritual geworden, wobei Maria, ohne viel Gedanken darüber verloren zu haben, Nicolas seit je das Fernbedienungsgerät überlassen hat. |
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Wie wild sucht sie nach Werken vergangener Zeiten und wird bald fündig, denn Onkel Willy hatte seit seiner Kindheit ein Faible für Historie. Ein Buchrücken springt ihr in die Augen: Barburg, Festung Stadt und Amt. Sie schlägt das Buch ebenso hastig wie zufällig auf und beginnt zu lesen. Turmrödel des Amtes Barburg, Band II: «Am 14. März, 572, gestand Hildagurd von Zotingen, mit und ohne Folter... und wird dessenthalben bestraft durch Abhacken der rechten Hand und der Hinrichtung mit dem Schwert.» Maria stand mit wackligen Beinen und aschfahl im Gesicht vor dem offenen Buch. Ihre linke Hand sie schont seit längerem ihre rechte (ein leiser, stetiger Schmerz zwingt sie dazu) schliesst den verstaubten Geschichtsband zeitlupenhaft, mechanisch.
Mit plötzlicher Entschlossenheit eilt sie zur Garderobe, rüstet sich wetterfest aus und verlässt gehetzt das Haus. Die Tür fällt mit lautem Klacken hinter ihr ins Schloss.
Nicolas erhebt schlaftrunken den Kopf. Das Klacken der Türe hat ihn geweckt. Seine Hand tastet vergeblich nach Marias Körper. Verwirrt steht er auf, sucht sie, ruft nach ihr. Bald bemerkt er, dass der dunkelblaue BMW Z3 Coupé, den er ihr zu ihrem 35. Geburtstag geschenkt hat, seine Spuren in den wässerigen Film von Schneematsch gezeichnet hat. Eigentlich ist es noch nie vorgekommen, dass sich Maria wortlos von ihm getrennt hat in der ganzen Zeit ihrer Gemeinsamkeit. Erstaunt, |
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