Bei der Erinnerung an die Umarmung stieg eine verräterische Röte in ihr auf.

Rasch lenkte sie ab und erzählte Nicolas von ihrem Besuch bei Onkel Willy im «Tannenberg». Wie er sich über ihre Anwesenheit gefreut hatte und ihre Hände lange in den seinen hielt! Sie liebte es ihm zuzuhören, wenn er von früher erzählte. Die Wiederholungen störten sie nicht. Im Gegenteil. Die Varianten malten sein Leben in Zotingen immer wieder in anderen Farben. Ob er Kurt kannte? Noch wollte sie nicht danach fragen.

Ihr fiel auf, dass Onkel Willy Namen und Dinge verwechselte. Für kurze Zeit hielt er sie gar für seine Tochter Ursula. War es die übliche Altersvergessenheit – oder etwa eine beginnende Demenz? Was auch immer! Maria war gern bei Onkel Willy. Sie fühlte sich wohl unter den hier wie abgestellten alten Menschen mit ihren prallgefüllten Rucksäcken an Erfahrungen und Wissen, begierig darauf, darin zu kramen und die Erinnerungen auszubreiten. Wenn sich jemand dafür interessierte, was selten genug vorkam.
Gab es in solchen Häusern nicht auch Arbeit? Sollte sie hier eine Stelle suchen, anstatt sich wieder von verwöhnten und betrunkenen Gästen herumhetzen zu lassen? Bestimmt kämen ihr dabei die früher besuchten Kurse über Massage und die heilende Wirkung von Kräutern
zugute. Hatte Zotingen diesbezüglich mit der weisen Hildagurd nicht eine uralte Tradition?


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