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Catherine Ernst, 35
wohnhaft in Zofingen
Primarlehrerin in Aarburg, Kunstschaffende in diversen Bereichen |
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Der Wachmann und die Pillen
Maria kuschelt sich in eine Decke vor dem Fenster und starrt hinaus in die Finsternis. Wie einfach und leicht war doch das Leben früher, als sie noch in der Grossstadt wohnten. Mit ihren Freundinnen hatte sie viele glückliche Momente erlebt. Hier kennt sie niemand. Sie fühlt sich allein. Nie hätte sie gedacht, dass ihr Nicolas einmal so fremd vorkommen würde.
Maria holt sich noch ein Glas «Selvato rosso» aus der Küche und will sich gerade wieder vors Fenster begeben, als sie ein Geräusch hinter sich hört. Sie erschrickt fürchterlich, denn sie weiss, dass sich Nicolas schon lange ins Schlafzimmer zurückgezogen hat und jetzt schläft. Blitzschnell dreht sie sich um, zu allem bereit. Nichts! Dann plötzlich wieder dieses Ächzen und Stöhnen. Dann die Schritte auf der Treppe hinunter in den Garten. |
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Maria hetzt hinterher das Schwert, das seit fünfzig Jahren dort hängt, von der Wand reissend. Onkel Willy hatte schon immer eine grosse Leidenschaft für alte Paradewaffen besessen.
Vor dem Haus hört Maria wieder das ihr bestens bekannte Rattern des Zuges. Dicke Nebelschwaden machen ihr das Orientieren fast unmöglich. Aber dann erkennt sie zwischen den Apfelbäumen zwei helle Gestalten. Es ist Kurt und neben ihm eine Frau mit blondem, fahlem Haar. Hildagurd? Sie winken ihr mit der einzigen Hand, die ihnen noch geblieben ist und rennen weg, weiter in den Nebel hinein. Maria atemlos hinterher, den Tränen nahe. Doch plötzlich fühlt sie sich wieder stark und sie will nun endlich wissen was sich hier abspielt, bereit, alle weiteren Gefahren auf sich zu nehmen. Hildagurd und Kurt rennen den Hügel hinunter, über den Fussgängerstreifen, der beim alten Waffenturm direkt in die Altstadt führt. Maria hinter ihnen her, verliert sie aus den Augen und findet sich in der Schletzigasse wieder. Dann versteht sie: Die Schletzigasse war Zotingens Henkergasse. Onkel Willy hat diese Tatsache nebenbei einmal erwähnt, als sie sich über die Zotinger Stadtgeschichte unterhielten. Maria hält an. Kurt und Hildagurd sind verschwunden. Plötzlich durchbricht ein Schatten die neblige Dunkelheit und rennt auf Maria zu. Vor Schreck lässt sie das Schwert fallen. Ein heftiger, feuriger Schmerz am rechten Handgelenk durchzuckt ihren ganzen Körper. Vor ihr |
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