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Hans-Peter Blättler, 55
wohnhaft in Brittnau seit 30 Jahren Journalist, seit 1990 Chefredaktor der «Tierwelt» in Zofingen
www.tierwelt.ch |
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Das Erbkomplott
Kurt war zuerst eher um ein bisschen Romantik. Schliesslich war ja Frühling und sogar schon Sommerzeit. Und der stichlige Johannisberg machte mächtig Mut. Ihm schien zwar, Maria sei inzwischen auch schon ein bisschen in die Jahre gekommen. Sie war aber noch immer ein sehr apartes Weibsbild! Doch bald wich die vorerst sanft dahinschleichende Romantik einer harten Realität: «Ich, Kurt, soll also in den Augen von halb Zotingen schon seit neun Wochen tot sein?» Scheussliches ging ihm durch den Kopf. Er zitterte am ganzen Leib. Er sah die ungläubigen Blicke, wenn er auf dem Zotplatz auftauchen würde, er sah die Leute vor lauter Angst und Schrecken schnurstracks in den Gassen, Beizen und Bürgerhäusern verschwinden.
Sein Befinden besserte sich langsam, als ihm Maria ein |
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paar Zotingerli von Zuckerbäcker Bläueli in den Mund geschoben hatte. Die waren zwar auch schon frischer, doch ihn dünkte, sie sogen den vergorenen weissen Traubensaft aufs Beste auf und liessen ihn zusehends ernüchtern.
Dass er im fernen Bümpliz rein gar nichts von seinem vermeintlichen Tod durch Mord erfahren hatte, verblüffte Kurt am meisten. Jetzt aber schwor er sich sogleich, aus dieser mehr als peinlichen Verwechslung Kapital zu schlagen. Diejenigen, die leichtfertig sein brutales Ableben festgestellt und gemeldet hatten, die sollten alle bös büssen. Das Schicksal öffne Türen, hat er einmal irgendwo gelesen. Oder es stehe einem im Weg. Er entschied sich für das Erstere. Und Maria sollte ihm dabei helfen. Sie war gleich Feuer und Flamme. Sofort erinnerte sie sich an den Gang ihres Nicolas zu Fontana, dem Rechtsgelehrten am Zotinger Kirchplatz. Am günstigsten, so rechnete sie, müsste es wohl kommen, wenn ebendieser Fontana sich des mittlerweile plötzlich halbwegs zur Familiensache gewordenen Skandals annehmen könnte.
Zuerst aber wollten Kurt und Maria, dass das ganze Städtchen von der Peinlichkeit erfuhr. Sie erwogen gleich, im «Café Melanie» die einzig wahre Geschichte vorerst als Gerücht verbreiten zu lassen, wussten sie doch, dass Welk und andere Schreiber vom Tagblatt mit offensten Ohren täglich mehrmals dort aufkreuzten. |
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