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Karin Bolliger, 28
wohnhaft in Zofingen Redaktorin beim Zofinger Tagblatt |
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Das Treffen
Es muss ihr eigener gewesen sein, begreift Maria, und dumpf hallt der Schrei in ihr nach. Wieder war sie dort. Auf der Brücke, unter ihr gurgelte wild das Wasser, hinten, tief im Nebel, erkannte sie die Burg. Dann, und das hatte sie zuvor noch nie geträumt, wurde sie plötzlich von starken Armen umfasst. Sie lehnte sich zurück, vertrauensvoll, fühlte sich geborgen und begehrt zugleich. Maria sitzt auf, um ihren Kopf sogleich wieder ins Kissen fallen zu lassen. Es ist feucht, ihr Gesicht nass. Nicolas indes scheint ihr Aufwachen nicht mitbekommen zu haben. Er schläft. Fast gutmütig tönt das, wie er langsam durch den offenen Mund ein- und ausatmet. Vielleicht aber auch gleichgültig.
Auch heute sitzt Maria alleine am Tisch. Nach einer kalten Dusche und der dritten Tasse Grüntee nimmt sie |
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ein saloppes «Tschüssli» wahr und Nicolas verschwindet in der Tür. Kein Kaffee, kein Abschiedskuss, wundert sich Maria und fragt sich, warum er es wohl plötzlich so eilig hatte. Warum nur wollte er ihr auch heute Morgen nicht sagen, was das Testament für sie beide verspricht? Maria beschliesst, dass Grübeln sinnlos und Nachdenken nur anstrengend ist. Als wäre sie eine kleine Katze, die Geborgenheit sucht, rollt sich Maria auf dem Sofa ein und versucht, nochmals in diesen Traum zu sinken, der sie in diesen Tag begleiten sollte. Das Handy schrillt. Maria schreckt auf. Wo bin ich? Wie spät ist es? Was ist? Es ist Kurt. Er möchte sie treffen. Maria sagt ohne Zögern zu. Warum nicht: Nicolas ist sie doch ohnehin egal geworden, das spürt sie. Und mit Kurt reden muss sie heute sowieso.
«Ich möchte mit dir alleine sein», bittet Kurt Maria zwei Stunden und zwei zusätzliche Tassen Grüntee später im Café Melanie. Kurts Blick ist heute irgendwie anders, merkt Maria, und mit einem Kribbeln im Bauch, das sie richtig aufgeregt macht, setzt sie sich zu ihm ins Auto. Kurt ist so ruhig, so bestimmt. Doch irgendwie scheint er es doch eilig zu haben. Mit siebzig statt fünfzig, mit achtzig statt sechzig steuert Kurt über Loftringen nach Barburg. «Hast du Lust ...», will Kurt wissen und Maria antwortet mit einem verdutzten «Worauf?», bis Kurt präzisiert: « ... mit mir auf die Festung zu gehen?» Maria erinnert sich an einen Artikel |
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