Rafael Suter, 26
wohnhaft in Riken
zurzeit am Ostasiatischen Seminar der Universität Zürich (Sinologie)
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Sonnenbrand und Puccini

Gnadenlos brannte die Sonne. Sinnlos breit hing der stahlblaue Himmel über dem Gelb des Wackertals, das umsäumt vom dunstigen Blaugrün der bewaldeten Hügel im trockenen Staub zu ersticken drohte. Seit Tagen hatte es nicht mehr geregnet, die Sonne hatte die Erde ausgebrannt. Tagelang hatte eine starke Bise das Land ausdörren lassen. Nun stand die Luft. Die Hitze dieses Nachmittags brachte sie zum Flimmern. Nur das Surren irgendwelcher Insekten durchbrach die lähmende Stille. Maria fühlte, wie sich die Poren ihrer Haut langsam mit Schweiss füllten, wie dieser sich mit der Sonnencrème, die sie sich sicherheitshalber ins Gesicht gestrichen hatte, bevor sie sich in den Garten wagte, zu vermischen begann. Die Sonnenbrille begann zu jucken, das Haar schien an der Haut festzukleben, die Bluse, die sie diesmal vor einem
Sonnenbrand schützen sollte, sog sich langsam voll. Ihr Kopf schien leer, da war nur das Surren der Insekten, das sich in dieser Leere zu einem Dröhnen entwickelte. Die Hand schmerzte immer noch, aber die Salbe schien langsam Wirkung zu zeigen. An Marias innerem Auge zogen Bilder vorbei. Ohne Bezug zueinander, lose aneinandergereiht. Kaum hatten sie Gestalt angenommen, lösten sie sich wieder auf und zerflossen in neue. Wie ein scheinbar unendlicher, handlungsloser Film. In diesem Sog versank sie langsam.

Ein brennendes Gefühl im Gesicht und hämmernde Kopfschmerzen entrissen sie dem Schlaf. Mittlerweile war die Liege im Schatten des Hauses. Dem warmen, nicht mehr ganz so grellen Licht nach musste es gegen sechs Uhr sein. Maria merkte, dass sie den ganzen Nachmittag verschlafen hatte, in der prallen Sonne. Ihr Gesicht, der Hals, Schultern, Arme, alles was nicht bedeckt war, leuchtete in krebsigem Rot. Drei Stunden unter der glühenden Sonne – da nützt auch die beste Crème nichts mehr. Und doch fühlte sich Maria irgendwie gut. Sie stand auf und ging ins Haus. Hier war es nun fast noch heisser und stickiger geworden. Dennoch zog es Maria nach drinnen. Sie hatte seit Stunden nichts mehr getrunken, und sie fühlte sich ganz ausgedörrt. Bestimmten Schrittes ging sie in die Küche. Erst als sie auf dem metallenen Küchentisch die Egli-Tasche mit der Salbe erblickte, wurde ihr bewusst, dass
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