Rosmarie Zürcher, 31
wohnhaft in Wikon
ZT-Korrespondentin
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Nicolas

Puccini! Wie ich sie doch liebe, seine mächtigen, kraftvollen Opern. Stundenlang könnte ich dasitzen und dieser berauschenden Musik zuhören, mich ihr hingeben und alles vergessen. Maria kann sich dafür gar nicht begeistern. Zu langweilig, sagt sie. Zu langweilig. Wer ist denn hier langweilig? Immer hör ich nur dasselbe: Du vernachlässigst mich, du hast nie Zeit, du denkst nur an dich. Maria denkt nicht nur an sich. Maria denkt über alle andern nach, über die ganze Welt, scheint mir. Und weil ich Maria alleine lasse, geht sie mit dem ersten besten Typen fremd, der ihr schöne Augen macht. Schuld daran bin natürlich ich. Ah, diese Arie!
Was gibt es Beruhigenderes als eine solch wunderbare Musik! Sie streichelt meine Seele, lässt ihre goldenen Töne direkt in mein Herz rieseln. Mein Herz, das noch
immer so starke Gefühle für Maria in sich birgt. Die Pest hatte ich diesem Kurt an den Hals gewünscht, alles Schlechte der Welt und noch mehr. Aber gleich den Tod? Ja, vielleicht sogar den Tod. Gelöst ist damit gar nichts. Maria zieht sich seither noch mehr von mir zurück, vermutlich glaubt sie, ich hätte was mit Kurts Ableben zu tun. Die Hitze, diese Hitze! Sie tut uns allen nicht gut, lässt uns langsam und träge werden, kocht uns das Hirn ein. Maria lässt sich von diesem Leo ins Melanie schleppen und sagt zu Beat, meinem Arbeitskollegen: «Ficken»! Ob sie ihn erkannt hat, als sie es gesagt hat? Egal. Wenn ich es mir überlege, hat Maria Recht. Ich bin hier der Langweiler, sie ist unterdessen die Originelle, die kein Problem hat, überall aufzufallen. Eine Paartherapie hatte ich vorgeschlagen. Eine Psychotherapie wär wohl angebrachter, nicht für mich, sondern für Maria. Und immer dieses Gejammere: Ich finde mich hier nicht zurecht, ich vermisse meine Freundinnen, mir fällt die Decke auf den Kopf! Verdammt, genau deshalb haben wir doch keine Kinder gewollt. Damit wir beide unabhängig und selbstständig bleiben können. Damit sie tun und lassen kann, was ihr gefällt. Und jetzt verkriecht sie sich zu Hause und macht mich zwischendurch zum Hahnrei. Fein! Wenns doch bloss bald einmal ein bisschen Regen geben würde, das täte allen gut, würde verkrustete Gedanken aufweichen und zähflüssige Überlegungen wieder dahinplätschern lassen. In der Nacht, als Kurt starb, blitzte und donnerte
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