Evelyn Kraus, 59
wohnhaft in Strengelbach
Sport- und Gymnastiklehrerin
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Neue Vorsätze

Maria wartet, bis die schwere Haustüre ins Schloss fällt. Mit einem tiefen Seufzer versucht sie, die drückenden Gedanken zu verbannen, wirft die Bettdecke im hohen Bogen von sich und macht einige Stretching-Übungen im Bett.
Auch sie hatte schlecht geschlafen. Nicolas' unruhiger Schlaf, sein Hin- und Herwälzen, das Scharren mit den Füssen hatten sie geweckt und lange nicht den Schlaf finden lassen.
Es wäre so einfach gewesen, sich ihm liebevoll zuzuwenden, zu fragen: «Was quält dich, oder hast du einen schlechten Traum gehabt?» «Warum fällt es mir so schwer, die normale Leichtigkeit von früher mit Nicolas zu leben? Habe ich mich schon so weit von ihm entfernt, dass jeder weitere Tag die Liebe an ihrer Alltäglichkeit zerreibt
und erkalten lässt? Eine erschreckende Vorstellung, dass macht mir Angst, dass will ich doch nicht! Nein, nein, nein!»
Während sie tief ausatmet, die Arme über die angewinkelten Knie verschränkt und in dieser Stellung zur gleichmässigen Atemführung findet, formen sich gleichzeitig in ihren Gedanken einige neue Vorsätze.
«Ich muss heraus aus meiner selbst gewählten Abkapselung, ich werde diese Fesseln sprengen!» Mit einem schwungvollen Satz ist sie aus dem Bett. Leichtfüssig springt sie die Treppe hinunter in die Küche.
«Zuerst einmal meinen geliebten Grüntee, dann duschen, Onkel Willy anrufen, um mich für einen Besuch bei ihm anzumelden, den Garten tränken - nein, erst den Garten tränken, dann Onkel Willy», ordnet sie ihre Gedanken.
Auch heute kündet sich ein schöner, heisser Tag an. Seit Wochen fühlte man sich in südliche Gefilde versetzt. Das «Dolce far niente» hatte auch einen Teil der Zotinger gepackt. Die Strassencafés und Restaurants waren bevölkerter als auch schon. Besonders in den Abendstunden belebten Tellergeklapper, fröhliches Gelächter und Geplauder die Altstadtgassen und Plätze.
Maria war auf dem Weg zum Tannenberg, nachdem sie die Rosenbeete und Hortensienbüsche im Garten reichlich getränkt hatte. Onkel Willy hatte vorgeschlagen, dass sie geradewegs die grosse, alte
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