Thomas Hirt, 42
wohnhaft in Oftringen
Bezlehrer in Zofingen
www.bez-zofingen.ch
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Blick nach vorn

Immer wieder erschienen die Bilder der Altstadt vor ihren Augen. Bilder aus luftiger Höhe – so müssen sich die Vögel fühlen, wenn sie ihre Kreise ziehen. Seit langem hatte sie sich nicht mehr so frei gefühlt. Vielleicht hatte sie diese Distanz gebraucht, um wieder zu sich selber zu finden. Den Blick vom Kirchturm aus geniessend, hatte sie die Kleinstadt in ihr Herz geschlossen, dieselbe Stadt, an der sie kürzlich fast verzweifelt war. Und es schien, als würden die Felsen des fernen Alpenmassivs, die seit Jahrtausenden Wind, Wetter und Menschen trotzten, ihr neue Kraft spenden. Die Kraft, die sie jetzt dringend brauchte.
Sie ertrug es nicht mehr, einfach Spielball der Ereignisse zu sein – von Träumen geplagt, von Nicolas missverstanden, von Onkel Willy genarrt, von Leo auf die
Folter gespannt. Sie wollte endlich ihr Leben in die eigenen Hände nehmen. Sehnlichst wünschte sie sich ein Kind, ja, ein Kind würde auch ihrer Beziehung wieder Halt geben. Es würde ihr Leben erfüllen – ist es nicht die Aufgabe aller Lebewesen, für das Überleben ihrer Art zu sorgen? Die Sehnsucht danach, Verantwortung zu übernehmen, Spuren zu hinterlassen, die auch weiterführten, wenn sie einmal nicht mehr da war, wurde unbezwingbar.
In der Euphorie ihrer Fantasien blieben ihre Gedanken an den Rätseln um Kurt und Hildagurd hängen. Sogleich begann ihr Handgelenk wieder zu schmerzen. Sie fühlte, sie würde trotz Zukunftsplänen keine Ruhe finden, wenn sie nicht Ordnung in die Vergangenheit brächte.
Maria war entschlossen zu handeln.
Auch als Onkel Willy ihr den verborgenen Weinkeller gezeigt hatte, blieb er ihr Erklärungen schuldig – eigentlich verwirrte er sie damit nur noch mehr. Plötzlich stieg in ihr die Vermutung auf, Onkel Willy halte sich mit seinen Geheimnissen am Leben. Als fürchtete er sich davor, durch die Preisgabe der Rätsel seine Daseinsberechtigung zu verlieren, für die Welt nicht mehr von Nutzen zu sein.
Von ihm erwartete sie keine Hilfe. So blieb ihr nur die Hoffnung, Leo rücke mit dem heraus, was er wusste. Sie war sich sicher, dass bei ihm viele Fäden zusammenliefen, obwohl sie dafür keine Erklärung fand.
Im Café «Melanie» war er nicht. Die Bedienung sagte,
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